Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Tschad – Ins trockene Herz der Sahara

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Abenteuer Tibesti- 16 Tage Wüstenreise mit Expeditionscharakter vom 04.02.- 18.02.2014

„Sobald du die Sahara betrittst, ganz gleich, ob zum ersten oder zehnten Mal, bemerkst du die Stille… Du trittst hinaus in die harte, steinige Ebene und bleibst eine Weile dort stehen – allein. Binnen kurzem wirst du entweder frösteln und schnell ins Lager flüchten oder ausharren und zulassen, dass etwas Eigenartiges mit dir geschieht. Jeder, der dort lebt, weiß darum; die Franzosen nannten es „le baptême de la solitude“. Es ist eine unvergleichliche Erfahrung, die nicht das Geringste mit dem Gefühl des Verlassenseins zu tun hat, denn dieses setzt Erinnerung voraus. Hier, in dieser rein mineralischen Landschaft, die von Sternen erleuchtet wird wie von Fackeln, schwindet selbst die Erinnerung; nichts bleibt, nur dein Atmen und das Pochen deines Herzens. Ein merkwürdiger und keineswegs angenehmer Prozess beginnt in deinem Inneren, und du hast die Wahl, dagegen anzukämpfen und die Person zu bleiben, die du immer warst, oder ihm freien Lauf zu lassen. Denn niemand, der eine gewisse Zeit in der Sahara verbracht hat, wird ganz derselbe sein wie zuvor“.

Diese Zeilen, die Paul Bowles vor vielen Jahren schrieb haben nach wie vor ihre Geltung. Und selbst ich, als erfahrener Sahara-Fahrer, werde nie das Gefühl los, das jede Reise in die Wüste eine neue Erfahrung, eine neue Initiation ist. Der Norden des Tschad jedoch stellt alle meine anderen Wüstenfahrten in den Schatten. Hier, im trockenen Herzen Afrikas, zeigt sich die Wüste in all ihren Extremen, in ihrer unendlichen Vielfalt, in ihrer magischen Schönheit. Bizarre Felsformationen, prachtvolle Dünenzüge, unpassierbar erscheinende Geröllfelder. Wie wohltuend die unerwartet auftauchenden Oasen mit ihren Palmerien. Eine Reise in den Tschad ist eine Reise in die Urzeit unseres Planeten. Man hat unentwegt das Gefühl den Wind, Sand und Sonne dabei zusehen zu können, wie sie die Landschaft Gestalten, unentwegt bizarre Formen modellieren, immer wieder neue Farben erfinden, Landschaftskompositionen entwerfen, die kein Künstler je erfinden könnte. Selbst lange Fahrten im Schritttempo, an sich eine ermüdende Erfahrung, lassen keine Langeweile aufkommen, denn immer wieder ändert sich die Landschaft, immer wieder tauchen noch nie gesehene Farben und Formen auf. Eine Reise ins Tibesti oder ins Ennedi ist ganz bestimmt eine der letzten großen Abenteuerreisen in das Herz der Sahara auf alle Fälle aber auch eine große innere Abenteuerreise, die man nie vergessen wird. Ob die Schakale, die bei Vollmond auf einer Düne auftauchten und unser Lager besuchten, die ewigen Ouinanga Seen, die Rot- Grün oder Blauschimmernd wie eine Fata Morgana erschienen oder der Trou au Natron, der wie eine verwunschene Welt mitten in endlosen Geröllfeldern auftauchte und uns alle verstummen ließ… und Nachts, dieser Sternenhimmel!

Paul Bowles hat recht, wer sich einmal wirklich auf die Sahara eingelassen hat, wird nie wieder derselbe sein wie zuvor. Wer die Wüste „Erfahren“ hat wird ihre Ruhe und ihre Kraft für immer in sich tragen.

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