Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Mit Kind und Kamera durch Namibias Süden

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„If you can visit only two continents in your life, visit Africa – twice! (R. Elliot)”. Dieses Zitat nehmen wir mehr als ernst und sind darum, nachdem wir Franz mit gerade mal knapp 6 Monaten im Buggy durch Südafrikas Garden Route geschoben haben, erneut mit dem nun zweijährigen Zwerg ins südliche Afrika gereist. Diesmal war das erklärte Ziel – der größte Sandkasten der Welt – der weite Süden Namibias.

Unsere 5-wöchige Tour startete in der Hauptstadt Windhoek. Schon bei der kurzen Fahrt nach GocheGanas, unserer ersten Lodge vor den Toren der Stadt, waren wir erstaunt über die reiche Vegetation. Der Regen hatte es in den letzten Wochen gut gemeint und das Wüstenland bedankte sich mit einer grandiosen Vielfalt an Grün und bunten Blüten. Angekommen im GocheGanas Nature Reserve ging es sofort auf Pirsch und tatsächlich, schon nach wenigen Minuten konnten wir unserem faszinierten Kind friedlich grasende Rhinos, Giraffen und Zebras zeigen und als sich beim anschließenden Sundowner-Gin-Tonic der Himmel so schön kitschig rosa färbte, wie er es nur hier in Afrika kann, waren wir drei wirklich angekommen.

Als zweiter Stopp der Reise war ein Abstecher ins circa 150 km nördlich von Windhoek gelegene Erindi Game Reserve geplant. Erindi ist ein Wildschutzgebiet und mit 70.719 Hektar eines der größten privaten Wildschutzgebiete in ganz Afrika. Die dort befindliche Old Traders Lodge eignet sich prima für Safariabenteuer mit Kindern. Im Areal der Lodge gibt es sogar einen Spielplatz und auch Kinder-Pirschausflüge werden angeboten. Die Tierdichte ist enorm hoch und die Pirschfahrten daher auch entsprechend kurzweilig. Aber nicht nur das – wir verbummelten einen ganzen Nachmittag im offenen Loungebereich der Lodge, auf deren Terrasse man einen kleinen See überblicken kann. Bei Kaffee, Eis und Rock Shandy konnten wir tiefenentspannt Krokodile und Hippos beobachten. Im Anschluss daran gaben sich Elefanten und sogar ein Wildhund Rudel (eine echte Safari-Rarität) ein munteres Stelldichein.

Bei der Planung unserer Reisen ist die Fotogenität des Ortes stets ein enorm wichtiger Aspekt. Die Kamera und das entsprechende Equipment ist, wie auch die Wickeltasche, unser ständiger Begleiter. Daher war ein Besuch der Spitzkoppe für uns unerlässlich. Für mich waren die dortige Landschaft, der weite Himmel und auch unsere Unterkunft, die Spitzkoppen Lodge, das landschaftliche Highlight der Reise. Der Kontrast vom Azurblau des Himmels zum Aprikot der Felsen ist schier surreal und erzeugt dadurch eine magische Atmosphäre. Für Wanderer, Fotografen und alle diejenigen, die gern draußen sind ist die Region ein Mekka. Die Gesteinsbögen und Felsen bieten Fotomotive noch und nöcher, sind herrlich griffig und eignen sich wegen der runden und abgeschliffenen Form auch gut als Klettergerüst, aber nicht nur das, auch zum Mountainbiking und Sternebeobachten ist diese Region wahrlich prädestiniert.

Nach der tollen Zeit an der Spitzkoppe hieß es für uns: nächster Stopp Swakopmund und damit Wiedereintritt in die Zivilisation. Schon bei der Fahrt gen Westen beginnt ungefähr 70km vor der Küste die Temperatur merklich zu sinken. Der strahlend blaue Himmel weicht dem hier so typischen Küstennebel. Die Temperaturanzeige des Amarok fällt kontinuierlich, von 32°C auf nur noch 18°C bei Ankunft in Swakop. Jedoch bietet uns das Swakopmund Guesthouse einen ganz herzlichen Empfang und auch sonst genießen wir mit frischem Sushi zum Mittag und ausgedehnten Strandspatziergängen die Zeit am Meer. Wir haben drei Tage für den Küstenort eingeplant und brechen am zweiten Tag gleich zur Town-Ship-Tour auf. Der geführte Ausflug in die Blechhüttensiedlungen am Rande Swakopmunds beeindruckt uns alle drei. Wir treffen an diesem Nachmittag Vertreter vier verschiedener Volksstämme Namibias (Himba, Herero, Ovambo und Nama) und sind von deren Herzlichkeit und Lächeln nachhaltig verzaubert. Besonders die Ankunft in einer kleinen Schule inmitten der Blechhüttensiedlung wird uns in ewiger Erinnerung bleiben – die Kinder sangen und Klatschten und versprühten eine ansteckende Fröhlichkeit, die in unseren Gefilden eher seltener zu finden scheint.

Mit einem kurzen technischen Zwischenstopp im Rostock Ritz setzten wir die Reise fort gen Süden. Unser Höhepunkt in Sachen Luxus auf dieser Tour war der Aufenthalt in Wolwedans Dunes Lodge. Die komfortable Wolwedans Dunes Lodge befindet sich im NamibRand-Naturreservat. Sie liegt etwas erhöht auf dem Rücken eines kleinen Plateaus und ist in puncto Exklusivität, Lage und Eleganz kaum zu überbieten. Die Zeltwände der freistehenden Chalets können nahezu komplett geöffnet werden, sodass sich ein atemberaubendes Panorama in alle Himmelsrichtungen bietet. Eigentlich der ideale Ort um Flitterwochen zu verbringen oder sich in einer fast geräuschlosen und faszinierend schönen Umgebung zu entspannen. Die intime Atmosphäre, die ein stückweit an längst vergessene Zeiten erinnert, lässt einen von der ersten Sekunde an „ankommen“ und sofort heimisch fühlen. Beim abendlichen Sundowner-Ausflug kann der Luxus der Weite und die spektakuläre Schönheit wunderbar in Bilder eingefangen werden. Neben der Erkundungstouren im offenen Safarifahrzeug, werden auch Flüge im Kleinflugzeug über die Diamond-Coast oder über das bekannte Sossusvlei sowieFlüge im Heißluftballon über die purpurroten Sanddünen angeboten. Noch ein Wort zur Küche – wir konnten nur staunen wieviel Kreativität und Abwechslung der Koch Großen wie auch kleinen Gästen bieten konnte. Und auch mein persönlicher Frühstücksfavorit soll nicht unerwähnt bleiben – die Eggs Benedict werden auf Wolwedans einfach göttlich zubereitet.

Je weiter südlich wir fuhren umso einsamer und weiter schien die Landschaft zu werden. Die Farmen sind größer hier, die Distanzen länger und wenn auf der Pad ein Fahrzeug entgegenkommt grüßt man sich schon von weitem. Unser Halt bei Kanaan Desert Retreat war vor allem der dort angebotenen spektakulären Fotoexkursionen zu den auf dem Farmgelände beheimateten Geparden geschuldet. Bei morgendlichen Ausflügen zu deren Gehege entstanden atemberaubende Bilder dieser anmutigen Tiere im ersten Sonnenlicht des Tages.

Bei Aus, tief im Süden Namibias, liegt auf einer Höhe von 1400m idyllisch die Lodge Klein Aus Vista mit seinen angeschlossenen Eagles Nest Chalets. Hier sind Stille, unendliche Weite, ein fantastischer Blick auf die Aus-Berge und Sonnenuntergänge im Breitwandformat, Programmpunkte für eine genussvolle Entschleunigung. Unser besonderes Highlight hier: Wir durften selber stilecht „braaien“. Die Lodge stellte uns auf unseren Wunsch ein Körbchen mit allerlei namibischer Leckereien (Boerewors, Sandwiches, Rinderfilet, Salat) zusammen und im Anschluss haben wir auf unserer privaten Terrasse, weit ab der Lodge (ca. 8km) und vom nächsten Nachbarn (ca. 400m) den Grill entzündet und festlich diniert.

Den südlichsten Punkt der Route erreichten wir am Fish River Canyon, dem zweitgrößten Canyon der Erde. Die Canyon Lodge diente als perfekte Basis um dieses gewaltige Naturmonument zu besuchen. Hier, am größten Canyon Afrikas , hat der Fischfluss eine bis zu 550m tiefe Schlucht geschaffen die von Mai bis August in einer mehrtägigen geführten Tour sogar durchwandert werden kann. Wir, die mit Fotorucksack und Kleinkind unterwegs waren, begnügten uns mit kleineren Wanderungen mit der Kinderkraxe am Rand des Canyons und wurden trotzdem mit einer Menge schöner Landschaftsaufnahmen belohnt.

Wer den Süden Namibias besucht kommt an den einzigartigen Köcherbäumen einfach nicht vorbei. Sie bieten bei Sonnenauf- und -untergang fantastische Scherenschnittmotive und sowohl Köcherbaumwald wie auch der benachbarte Giants Playground sind Orte die vor genialen Fotomotiven nur so strotzen. Ebenso bieten Sie sich zum Wandern mit Kindern geradezu an – der perfekte Ort um intensiv in den Abendstunden oder an Vormittagen ausgiebig erkundet zu werden. Die herzliche Pension Gessert, die wohl das liebevollste Frühstück in ganz Namibia seinen Gästen kredenzt war hier unser „zu Hause“. Durch Papagei, Hund, kleinen Pool und Sandkasten im Garten war auch in den heißen Mittagsstunden für Abwechslung gesorgt.

Kurz vor Ende unserer Tour stand der Geheimtipp schlechthin auf unserem Routing. Ganz nach Osten Namibias, quer durch die Einsamkeit der roten Dünen der Kalahari führte uns der Weg nach Mata-Mata, nur 12km vor der Grenze Südafrikas gelegen und quasi die Pforte zum löwenreichen Kgalagadi Transfrontier Park, wie er auf südafrikanischer Seite heißt, liegt die Kalahari Game Lodge. Für uns ein idealer Ort der Entspannung. Direkt vor der Privatterrasse des Chalets gaben sich Mungos, ein Stück weiter weg Elande, Springböcke und Impala die Ehre und wir schauten, tiefenentspannt, Kekse naschend mit selbst gebrühten Kaffee in der Hand (die Chalets sind mit einer properen Küche ausgestattet) zu. Ausflüge in den Nationalpark auf südafrikanischer Seite sind sehr unkompliziert zu unternehmen und die Lodge selbst bietet ein fantastisches Löwentracking an.

Last but not Least – der letzte Stopp für uns war in Kalkrand, ca. 200km südlich von Windhoek, die Kalahari Red Dunes Lodge. Die gediegene Unterkunft ist barrierefrei angelegt und somit auch für Buggy-schiebende Eltern bestens geeignet. Gleich bei Ankunft wurden wir durch das Haus-Erdmännchen begrüßt. Die urige Schaukel auf der Terrasse und der glitzernde Pool waren nach den staubigen und heißen Fahrkilometern eine willkommene Erfrischung. Toll angelegt Wanderwege, Mountainbikestrecken und auch ein 2-tägiger Trans-Kalahari-Walk werden hier neben den gängigen Safari-Aktivitäten angeboten. Wir entschieden uns für einen letzten Sundownerdrive und wurden, als die Sonne dann wieder, wie in Afrika eben üblich, fast schon übertrieben dramatisch, am Horizont verschwand, sehr wehmütig. Das südliche Afrika hat einfach unser Herz erobert und um den Bogen zu Mr. Elliot zu schlagen – wir denken, zwei Mal Afrika im Leben ist eigentlich zu wenig. Daher, Fortsetzung folgt.

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