Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Neuseeland – Silberfarn, Māori und Kiwiness

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Zunächst ergaben all die Striche, die unser Guide Kyle frühmorgens in den atemberaubend einsamen Sandstrand im Abel-Tasman-Nationalpark ritzte, wenig Sinn. Doch seine Stimme zitterte, ja überschlug sich fast, als er uns so die Geschichte von Maui erzählte, welcher entgegen der Warnungen seiner beiden größeren Brüder heimlich ins Boot geklettert war, um mit hinaus zum Fischen zu fahren. Nun hatte er also einen gewaltigen Rochen an der Angel, den er – unter den Flüchen seiner Brüder – vergeblich versuchte ins Kanu zu ziehen. Der Fisch wehrte sich natürlich nach Kräften und biss im Überlebenskampf eine Kerbe in das Wassergefährt der Brüder.

Zack! In diesem Moment schlug Kyle eben diese Kerbe in die schemenhafte Zeichnung des Kanus, und so langsam wurde mir klar, welch bewegende Episode der Landesgeschichte uns hier gerade ereilte. Es war keine unbedeutendere als die Māoriversion der Entstehung Neuseelands.

Plötzlich machte alles Sinn: die Umrisse des Rochens stimmten verblüffend genau mit jenen der Nordinsel überein. Sogar die nach oben stehende, aus Sand geformte Rückenflosse war dort, wo sich auf dieser die Vulkane des Tongariro-Massivs erheben. Und da, wo Kyle im emotionalen Überschwang seine hölzerne Axt in den Strand rammte, genau da standen wir: im malerischen, von Fjorden und Buchten verzierten Norden der Südinsel Aotearoas.

„Te Ika te Maui“ und „Te Waka te Maui“ – der Fisch und das Kanu Mauis. So werden die Eilande von den Polynesiern noch heute liebevoll bezeichnet. Und bevor wir mit unseren Kayaks zur Erkundung des Nationalparks aufbrachen, stellte Kyle die entscheidende Frage, welche mir noch ewig in Erinnerung bleiben wird: „Woher wussten die Māori vor Jahrhunderten eigentlich, wie die Inseln von oben aussehen?“

Es war rückblickend dieser Moment, in dem ich mich in dieses wunderbare Land am anderen Ende der Welt, mit all seiner natürlichen und kulturellen Schönheit, verliebte.

Auf meiner nun bereits dritten Neuseelandreise war vieles anders. Mir fällt es schwer, dieses „anders“ genau zu benennen. Doch da ich genau diesen Umstand zu ergründen versuche, so mache ich es an den Menschen fest, welche uns innerhalb der nur zehn Tage begegneten. So reiste ich 2008 als Rucksacktourist, als auch vor zwei Jahren mit einer Reisegruppe vor allem von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt. Halt so, wie es sicherlich auch viele andere Reisende auf einer Wohnmobil- oder Mietwagentour planen. Doch wenn ich unterwegs etwas gelernt habe, dann, wie bereichernd lokal geführte Touren für eine Reise sein können. Neben Kyle begegneten wir unterwegs vielen Unikaten. Allesamt verband eine unglaubliche Herzlichkeit, sowie der Stolz auf das Erbe der Inseln.

Was noch hängen geblieben ist, ist die Liebe zu gutem Essen. Na klar, haben die Kiwis selbst doch den Standortvorteil schlechthin: abseits am Ende der Welt gelegen und an der Ostküste von den unendlichen Weiten des Pazifiks flankiert, sind Luft- und Umweltverschmutzung kein Thema. Entsprechend labten wir uns an frischem Fisch, bestem Lamm, gutem Wein sowie zahlreichen anderen Köstlichkeiten.

Zudem begeisterte das Land natürlich weiterhin mit seiner unglaublichen Naturvielfalt. Zwischen grünen Weiden, schneebedeckten Bergen und idyllischen Stränden liegen oft nur wenige Kilometer. Wir sahen Seehunde, Delfine und Wale. Bekamen einen guten Eindruck, was die Vogelwelt Neuseelands zu bieten hat und ich selbst war wiederum überrascht, mit welchem Enthusiasmus die Kiwis das Thema des Umweltschutzes angehen. So sind im Abel-Tasman-Gebiet beispielsweise seit Jahren freiwillige Helfer unterwegs, die in mühevoller Kleinarbeit gegen eingeschleppte Arten vorgehen. Baum für Baum, Strauch für Strauch. Es ist schön zu wissen, wie die paradiesischen Inseln von ihrer Bevölkerung geliebt werden. Und es ist noch besser zu wissen, dass die Kiwis Touristen jederzeit willkommen heißen. „Manaakitanga“ – das Konzept der neuseeländischen Gastlichkeit – ist nicht nur eine leere Worthülle, sondern gelebte Gastfreundschaft.

Abschließend möchte ich aus Überzeugung noch eine Empfehlung niederschreiben: weniger ist meist mehr! Denn selbst auf einer vierwöchigen Urlaubsreise ist es schwer, die unzähligen Höhepunkte Neuseelands abzuklappern. Am besten sucht man sich also einige Orte aus. Und verweilt dort einige Tage, um die Umgebung zu erkunden. Ein solches Reisen ist nicht nur entspannter, sondern gibt einem auch die Möglichkeit die Schönheit einer Landschaft intensiv zu genießen. Und noch ein Tipp: auch Inlandsflüge können eine Reise bereichern. Man kommt schneller von Ort zu Ort, hat gerade in Neuseeland atemberaubende Ausblicke bei Landeanflügen und erlebt am Flughafen und beim Boarding die absolute Kiwiness: Das Gefühl sich trotz minimaler Kontrollen sicher und willkommen zu fühlen und gar mit einem leckeren “Coffee to go”, im kompostierbaren Becher, in den Flieger zu steigen ist einfach unschlagbar.

Auf nach Neuseeland! Bei Fragen zum Erlebten und Tipps für Ihre Neuseelandreise können Sie sich gern an mich wenden.

Beste Grüße, Michél Pretzsch

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