Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Meine Mauretanienreise im Januar 2019

Teilen

Ich bin Wüsten- und Afrika-Fan – setzt mich in eine Wüste und ich bin glücklich und recht schnell tiefenentspannt. Bisher beschränkten sich meine Wüsten-Erfahrungen eher aufs südliche Afrika und den östlichen und südlichen Mittelmeer-Raum mit festen Unterkünften. Und ich träumte immer mal davon, a bisserl näher an der Natur dran zu sein und im Zelt zu übernachten, vor allem weil es da keine Licht-Verschmutzung gibt, die das staunende Betrachten des Sternenhimmels beeinträchtigt – dies, vorab, war das Einzige auf der Reise, das enttäuscht wurde, doch dazu später mehr.

Das mit dem Zelt spukte immer in meinem Kopf rum und als ich beim Durchblättern des DIAMIR-Katalogs auf die Seite mit der Tschad-Reise stieß, ließ das Foto mein Herz sofort ein paar Takte schneller schlagen: Zelt im Sand vor Felsen – wow, mein Traum!

Beim näheren Checken der Details kamen mir allerdings Zweifel, ob ich mir als Nicht-Camping-Erfahrener 14 Tage im Zelt ohne Dusche etc. zutrauen sollte. Immer wieder zogen mich die Fotos auf der Webseite in den Bann und dann stolperte ich über den Hinweis 'Das könnte Sie auch interessieren‘ auf die Mauretanienreise, wo sich Zelt und feste Unterkünfte abwechselten. Und ein paar Telefonate mit dem zuständigen Ansprechpartner später stand mein Entschluss fest: Das ist es!

Und so ging‘s im Januar 2019 in das für mich völlig unbekannte Land in Westafrika. Der erste Eindruck von Nouakchott: eine typische afrikanische, auf den ersten Blick relativ gesichtslose Großstadt. Allerdings mit ein paar Auffälligkeiten: Saubere Straßen (Abfall wurde von fleißigen Händen eingesammelt) und so gut wie alle Männer trugen traditionelle Kleidung – kein Mann war in Hosen unterwegs und Frauen schon gar nicht. Ein erster Hinweis, dass sich Mauretanien nicht umsonst ‚Islamische Republik‘ nennt. Spätestens die Erfahrung, dass es weder in Geschäften noch in Restaurants Alkohol zu kaufen gibt, hat mich dann schnell an den Iran erinnert – ein kühles Bier oder ein Sundowner schmecken zwar in der Wüste besonders gut, aber 11 Tage alkoholfrei schadet auch mal nicht.

Für unsere nette kleine Gruppe, die aus zehn Männern und einer Frau bestand, gab‘s am nächsten Tag gleich die nächste Überraschung: nur drei Gäste und ein Fahrer teilten sich einen der fünf Geländewagen, was wesentlich entspannter ist, als wenn sich, wie in der Reisebeschreibung angegeben, fünf Leute in ein Auto zwängen – wir empfanden das als Luxus! So fuhren wir am nächsten Tag mit Gerti, unserer sehr wüsten-erfahrenen Reiseleiterin, aus der Stadt und bald zweigten wir von der Asphalt-Straße auf die Piste und schon ging‘s los mit Wüsten-Feeling: Sand, Sand und nochmals Sand, der von unseren Fahrern souverän bewältigt wurde und unendliche Weite, die gerne auch mal zu kleinen Wettrennen genutzt wurde – da hätten auch teilweise 20 Autos nebeneinander Platz gehabt. Als Höhepunkt dann abends unsere Zelte am Fuß einer sehr hohen Düne, die wir bestiegen und im abendlichen Licht das Farbenspiel der Sonne in der unendlichen Dünen-Landschaft genossen – genau so hatte ich mir das vorgestellt! Nach dem Abendessen, das die uns begleitenden Köche trotz sehr beschränkter Möglichkeiten in sehr guter Qualität zubereiteten, dann die schon erwähnte Enttäuschung: war nicht viel mit Sternen – der Vollmond ging bald auf und tauchte alles in ein fahles, verzauberndes aber für Sterne zu helles Licht.

Weiter ging‘s die nächsten Tage auf Pisten durch sehr abwechslungsreiche Landschaften und während für mich Wüsten immer mit Sand verbunden sind, wechselten sich hier Sand-, Stein- und Fels-Wüsten mit steilen Pässen ab, sodass immer wieder neue Eindrücke die Kameras zum Glühen verleiteten.

In zwei UNESCO-Kulturerben erfuhren wir viel über die spannende Geschichte des Landes. Ouadane mit seinen sehr beeindruckenden Resten der im Mittelalter befestigten Stadt ist heute weitgehend verlassen – lebten früher hier mehrere Zehntausend Einwohner sehr beengt wie in einer Festung, verteilen sich heute nur noch etwa 4500 Menschen auf einer sehr großen Fläche und in einer Oase.

Chinguetti war über lange Zeit eine Hochburg der Wissenschaft mit mehr als einem Dutzend Universitäten und geistiges Zentrum an der Kreuzung von in der Vergangenheit wichtigen Handelsrouten. Eine Sammlung von sehr alten Schriften zeugen von diesem ehemaligen Glanz – während heute die Straßen-Händler (meistens –innen) sehr lästig sind; erfreulicherweise waren an allen anderen Stellen die Verkäufer sehr zurückhaltend.

Im Norden hat Mauretanien eine lange Grenze zur Westsahara. An dieser Grenze führt die Erz-Eisenbahn (mit bis zu 220 Waggons angeblich die längste der Welt) entlang und unsere Fahrt setzte sich nun südlich dieser Bahnlinie fort, wo uns einige dieser langen Züge begegneten. Nördlich der Bahn ist das Gelände aus vergangenen Konflikten noch teilweise vermint, aber unsere Route war ohne Probleme zu befahren. Ganz generell hatten wir auf der gesamten Reise nie das Gefühl irgendwelcher Gefahren – bei uns in Europa gibt’s ja da die wildesten Gerüchte, die sich wie fast immer in Afrika vor Ort dann in Luft auflösen.

Ein weiteres Highlight auf der Reise war der Ben Amira, der drittgrößte Monolith der Welt (der größte ist der Uluru/Ayers Rock in Australien).

Die nächsten zwei Tage fand ich nicht so prickelnd: Nouadhibou ist halt eine Stadt (dass für mich die heiße Dusche im Hotel der Höhepunkt war, sagt schon alles), und von den Mönchsrobben am nahegelegenen Kap war ebenso wenig zu sehen, wie von den zahlreichen angeblich im Nationalpark Arguin lebenden Tiere. Noch dazu war das Camp im Park nicht besonders ansprechend, da hätte ich eine Übernachtung in den nahe gelegenen Dünen vorgezogen – gut, dass DIAMIR da Änderungen an der Reise vorzunehmen plant.

Entschädigt wurden wir dann zum Abschluss der Reise mit der Fahrt direkt am nur bei Ebbe und entsprechendem Wind befahrbaren Strand zwischen Meer und Dünen – plätschernde Wellen, Fischer mit ihren bunt bemalten Booten, die uns den Fisch für das letzte Abendessen verkauften und ein paar Schwärme von uns aufgescheuchter Vögel in beinahe unendlicher Anzahl waren unvergessliche Eindrücke. Die letzte Zelt-Übernachtung auf einer hohen Düne war dann der krönende Abschluss, bevor es am letzten Tag weiter am Strand wieder in die Hauptstadt ging, wo das Tageszimmer bis zum Abflug höchst willkommen war.

Fazit: eine sehr flexible Reiseleiterin, der es gelang, auch ein paar längere Spaziergänge in die Reise einzubauen (es war ja keine Wanderreise), ein unglaublich umsichtiger lokaler Reiseleiter, dem das Wohl der Gäste das höchste Anliegen war, sehr gute und freundliche Fahrer, schmackhaftes Essen auch in der Mitte vom Nirgendwo, eine überraschende landschaftliche Vielfalt und ein ausgewogenes Verhältnis von Zelt und fester Unterkunft machen die Reise zu einem perfekten Wüstentrip sowohl für Zelt-Erprobte als auch für Leute wie mich, die das mit Zelt mal ausprobieren wollen.

Passende Reisen von DIAMIR