Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Westpapua: Hochlandfestival, Besuch der Korowi und Asmat

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Nach 2-tägiger Anreise von Frankfurt über Singapur, Bali, Timika, Jayapura, kommen wir müde aber voller Erwartungen in Wamena im Hochland der indonesischen Provinz Papua, früher Irian Jaya, an. Schon am Flughafen werden prominente Besucher des Hochlandfestivals vom festlich geschmückten Stammeshäuptling der Region begrüßt. Unsere 12-köpfige Gruppe wird von Mark Weiglein, Reiseleiter, Manager des Baliem Valley Resorts und Mitinhaber der kleinen Reiseagentur, in Empfang genommen. Bei einem kurzen Stopp auf dem Markt können wir gleich mit der einheimischen, freundlichen und gar nicht fotoscheuen Bevölkerung in Kontakt kommen, bevor wir die wunderschöne Anlage erreichen.

Gleich am nächsten Morgen geht es zum etwa einer Stunde entfernten Festivalplatz. Das Hochlandfestival findet jedes Jahr vom 8.-11.8. statt. Missionare führten es ein, damit sich die Bevölkerung statt in blutigen Stammesfehden in der Darstellung von Kriegsszenen, Tänzen, Speerwerfen und Maultrommelspielen etc. messen kann. Dieses Spektakel zieht auch einige Dutzend Touristen aus aller Welt an, die sich darin messen, wer die beste Fotoperspektive bekommt, was zum Teil zu grotesken Szenen führt. Zum Glück ist der Anteil der einheimischen Besucher weitaus größer. Man hat auch reichlich Gelegenheit um den großen Festplatz herum zu laufen und ganz in Ruhe schöne Bilder von den auf ihren Auftritt wartenden Teilnehmern zu machen (auf Einstellen von Portraits auf dieser Seite habe ich aus Datenschutzgründen bewusst verzichtet). Ansonsten sitzt man vor Sonne und Regen geschützt auf einer überdachten Tribüne mit gutem Überblick über das Geschehen. Es ist zu empfehlen ein kleines Sitzkissen mitzubringen. Der 2. Tag verläuft ähnlich.

Danach fliegen wir nach Dekai im Flachland Richtung Süden, wo wir aufgrund des späten Abflugs in einem kleinen Hotel übernachten. Während es in Wamena nur kurze Schauer gab, regnet es hier am Fuße der Berge sehr stark und anhaltend. Wir alle denken in dieser Nacht mit Schrecken an die bevorstehende 8-tägige Bootsfahrt! Aber irgendwann am nächsten Vormittag hört es dann doch auf zu regnen und es kommt auch mal die Sonne durch. Nachts gießt es aber meistens. Gut, dass wir unsere Zelte daher immer in Hütten oder Langhäusern aufschlagen können! Weil es so viel regnet, ist der Boden entsprechend schlammig. Die meisten Häuser sind daher auf Pfählen errichtet und durch Stege verbunden.

Ab Mabul verlassen wir die Boote für 4 Tage, um zu den Korowai-Dörfern durch den Urwald zu wandern. Das richtige Schuhwerk dafür war nicht leicht zu finden, bei Gummistiefeln musste man ständig aufpassen, dass das Wasser nicht oben rein lief und Trekkingsandalen mit Neoprensocken boten zu wenig Halt, waren aber angenehm kühl. Feste Wasserschuhe wären auch eine Option. Der Regen kommt kaum durch das Blätterdach des intakt wirkenden Regenwaldes und hat den Vorteil, dass es auf den Wanderungen nicht so heiß wird. Nach 4 Stunden erreichen wir das erste Korowai-Dorf mit bis zu 30 m hohen Baumhäusern, aus rein pflanzlichem Material erbaut. Überhaupt hat dieses friedliche, gastfreundliche und zurückhaltende Volk nur sehr wenig Kontakt zur „Zivilisation“ und kein Problem mit dem sonst überall anzutreffenden Plastikmüll. Wir schlafen nicht in den Baumhäusern sondern in etwas niedrigeren Hütten. Da das Abkochen von Regen- oder Flusswasser für eine 12-köpfige Gruppe sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, mussten wir sparsam damit umgehen- ein verbesserungswürdiger Aspekt dieser Reise! Im 2. Korowai-Dorf, welches wiederum 4 Stunden Fußmarsch vom 1. entfernt liegt, sehen wir beim Aufsuchen von Sago-Maden zu und können diese später in gegrilltem Zustand auch probieren. Am nächsten Tag können wir die Gewinnung von Sago, dem Grundnahrungsmittel der Korowai, live erleben.

Nach einer weiteren 4-stündigen Wanderung -das Geräusch unserer Gummistiefel im Matsch wird mich noch lange an diese abenteuerliche Reise erinnern- zurück nach Mabul und einem erfrischenden Bad im Fluss geht es wieder in die Boote in Richtung Asmat-Küste. Nach 2 Übernachtungen in kleinern Dörfern erreichen wir die ersten, für ihre Schnitzkunst berühmten Langhäuser. In Warse werden wir mit einer beeindruckenden Zeremonie überrascht: festlich bemalte und geschmückte Männer in etwa 30 Kanus stoßen kurz vor dem Dorf mit lauten Gesängen zu uns, im Dorf begrüßen uns die ebenfalls festlich geschmückten Frauen. Wir dürfen nach Überreichen der Gastgeschenke (Tabak, Angelschnur, Fischernetze) im Langhaus übernachten. Viele der Schnitzereien und anderen Kunstgegenstände sind käuflich zu erwerben.

Ab Warse beginnt dann der lange Rückweg. Zunächst nach Agats, einer größeren, komplett auf Pfählen in die Mangroven gebaute Stadt. Dann mit einem kleinen offenem Boot weiter nach Timika, knapp 200 km über das offene Meer. Zwar in Sichtweite der Küste, aber nicht angenehm bei strömendem Regen! In Bali löste sich die Gruppe dann auf, da einige noch dort blieben und andere noch einen Stopover in Singapur anschlossen. Fazit dieser Reise: anstrengend aber absolut lohnenswert!

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