Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Fotosafari inmitten der großen Migration

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Landung am Kilimanjaro Airport: schon der Name versprüht den Zauber Afrikas – und wenige Minuten nach Verlassen des Flughafengebäudes sehen wir ihn auch vor uns, den Kili. Die Wolken haben gerade seinen Gipfel freigegeben, oben leuchten seine wenigen verbliebenen Schneefelder, unten auf der Allee die lila blühenden Jacaranda-Bäume. Sie begleiten uns einige Zeit auf der Fahrt nach Arusha. In der ruhig in einem Vorort gelegenen African View Lodge können wir uns erholen vom nächtlichen Flug, vom schönen Garten aus mit direktem Blick auf den Mount Meru.

Seronera – die zentrale Serengeti
Am nächsten Tag fliegen wir mit einem kleinen Flugzeug vom Stadtflughafen aus direkt in die zentrale Serengeti hinein. Unmittelbar neben der Landepiste begrüßen uns zwei im Gras liegende Löwen. In der Nähe liegt unsere Lodge malerisch auf einem kleinen Hügel mit weitem Blick hinunter ins Gras-, Savannen- und Buschland.

Morgens und spätnachmittags fahren wir hinaus zur Pirsch. Wir sehen weitere Löwenrudel, Büffel, Elefanten und viele Vögel – Adler, Eulen, Hornrabe, Bienenfresser. Ein besonderes Erlebnis ist ein Besuch am Hippo Pool, in dem sich über 50 Flusspferde grunzend, dösend, manchmal rangelnd im Wasser aufhalten. Abends können wir beobachten, wie sich vor der untergehenden Sonne viele Marabus auf ihrem Schlafbaum für die Nacht einrichten.

Lobo und Mara – die nördliche Serengeti
Nach zwei Tagen fahren wir weiter nördlich und beziehen unser neues Quartier in der Lobo/Togoro Region im Serengeti View Camp. Auf der Fahrt dorthin stoppt unser sehr erfahrener Guide Thomas plötzlich, fährt einige Meter zurück – und da sitzt doch tatsächlich eine sehr große Eule im Blätterwald der Akazie und schaut uns an. Wenig später ereilt uns ein gewittriger Regen, Nebel legt sich über die Savanne. Drei Giraffen stehen in gleicher Körperhaltung wie als Gemälde eingefroren mittendrin, abgewendet vom Wind. Mehr Schutz gibt es für sie nicht.

Zeltcamp: am nächsten (und an jedem) Morgen verlassen wir das Camp beim ersten orangenen Morgenlicht. Nicht weit entfernt sehen wir einen Leopard über die Straße kreuzen und können verfolgen, wie er auf seiner Nahrungssuche in einen kleinen Wald hinein läuft. Wenig später treffen wir auf eine sehr große Löwengruppe, insgesamt über 20 Tiere. Das von ihnen erbeutete Gnu ist schon weitgehend verspeist, die ersten Löwen säubern sich leckend schon wieder ihr Fell. Die kleinen Löwen fangen an miteinander zu spielen: jagen, draufspringen, rumwälzen. Am Gnu warten in der zweiten Reihe Schakale und Geier auf ihre Chance und stürzen sich wirklich „wie die Geier“ auf ihre Beute, nachdem der letzte Löwe auch irgendwann satt zu sein scheint.

Am folgenden Morgen brechen wir auf zum Mara River. Es ist eine lange Fahrt, auf der wir viel Interessantes erleben. So sehen wir zum Beispiel ein Pärchen Stachelschweine mit ihrem sehr kleinen Nachwuchs (auch auf sehr vielen Afrikareisen habe ich das noch nie gesehen). Sekretäre können wir oben auf einer Schirmakazie im Nest beobachten. Ein Storch holt in kürzester Zeit sechs Fische aus einem relativ kleinen Tümpel direkt neben der Piste. An einem großen Wasserloch versuchen einige Giraffen ihren Mut zu stärken, um sich zum Trinken zum Wasser hinunterzubeugen; in diesem Moment sind sie sehr angreifbar.

Doch eigentlich sind wir ja gekommen, um hier am Fluss das Crossing der Gnus auf ihrer jährlichen großen Wanderschaft durch die Serengeti zu erleben. Auf der gegenüberliegenden Seite haben sich auch eine Menge Gnus versammelt, doch heute trauen sie sich nicht ins Wasser hinein, sodass wir etwas enttäuscht nach einigen Stunden wieder die Rückfahrt ins Camp antreten. Es gilt zu akzeptieren, dass sich in der Naturbeobachtung nichts planen lässt, wir sind hier lediglich Gäste. Die Dämmerung kommt – und plötzlich steht unmittelbar neben der Straße eine Servalkatze und schaut uns mit ihren großen Augen direkt an, ein wunderbarer Moment und ein sehr seltenes Erlebnis. Dann springt sie mit Power über die Straße und ins Gras der anderen Seite hinein.

Entmutigen lassen wir uns nicht, deshalb fahren wir zwei Tage später erneut zum Mara River – und diesmal haben wir richtig Glück: Tausende Gnus springen vor uns auf der anderen Flussseite ins Wasser und kämpfen sich hinüber zur diesseitigen Böschung. Ihre aufgeregten Töne schwirren durch die Luft, insbesondere wenn eine Mutter ihr Kind noch nicht im ganzen Trubel wieder gefunden hat. Heute fahren wir sehr erfüllt wieder zurück, die Wanderung der großen Herdentiere ist wirklich ein einmaliges Erlebnis!

Hyänen und Topi im Morgenlicht, ein Straußenpärchen bei der Paarung, Geparden im Gras, Madenhacker auf Büffeln, Siedler-Agamen auf altem Holz, große Scharen von Mungos vor ihren Erdbauten, eine Gabelracke auf ihrem schwankenden Ansitzzweig – auch in unserer restlichen Zeit werden wir mit schönen Begegnungen verwöhnt und verabschieden uns irgendwann mit Sehnsucht auf einen nächsten Besuch dieses besonderen Stückchens Erde. „Die Serengeti darf nicht sterben“, so hat es sich Bernhard Grzimek schon vor 60 Jahren gewünscht.

Michael Lohmann

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