Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Tansanias Norden – meist besuchte Klassiker und ungezähmte Wildnis

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Kommt mit auf meine Erkundungstour! Hier einige Highlights der nächsten Tage: Kaffeegenuss der Extraklasse, Offroad-Abenteuer durch das wilde Gebiet des West Kilimanjaro, „Eine Farm in Afrika“-Feeling, Landschaften wie von einer anderen Welt, Flamingos am Natronsee vor spektakulärer Vulkankulisse, Serengeti satt aus allen Himmelsrichtungen, Tierentdeckungen von Gerenuk bis Löffelhund, Wanderung am Rand des Ngorongoro-Kraters, Durchquerung des Lake Manyara Nationalparks, Fußpirsch durch den Tarangire und überall machen wir Halt an den schönsten Unterkünften des Landes. Auf Reisen findet man Antwort auf fast jede Frage.

Wie grüßt man auf Swahili?

Jambo! Hallo Tansania! Wir sind da und es fühlt sich an wie nach Hause zu kommen: der erste Atemzug nach Verlassen des Flugzeugs, der Blick auf den palmengesäumten Kilimanjaro Airport, ein freundlicher Fahrer tauscht Gepäck gegen gekühlte Wasserflasche, das bunte Leben auf den Straßen und Märkten rund um Arusha zieht an uns vorbei – nein, wir sind schon mittendrin. Karibu! Willkommen in der African View Lodge! Ein warmes Lächeln strahlt uns entgegen, frisch gepresster Saft und ein feuchtes Händetuch werden gereicht: endlich angekommen! Es ist toll, wieder hier zu sein! Im Busch vor meinem Bungalow begrüßt mich ein Chamäleon mit neugierig umherrollenden Augen. Den Nachmittag nutze ich, um weitere Unterkünfte der Umgebung auszukundschaften: von der stilvollen Villa mit Golfplatz und Kiliblick über die urige Lodge mit Vögeln und Vierbeinern auf dem Gelände bis hin zu romantischen Fluss-Chalets unter riesigen Mangobäumen, in denen Kolobusaffen klettern.

Fazit des Tages: Die Herzlichkeit der Tansanier ist überall spürbar. Wer ein paar Worte Suaheli lernt, knüpft noch schneller Kontakte. Mein Tipp: im Flugzeug links sitzen und einen Blick auf das Dach Afrikas erhaschen.

Wie kommt der Kaffee in die Tasse?

Heute unternehmen wir eine Kaffee-Tour in das fruchtbare Umland. Mama Sophia lädt uns in ihr Farmhaus ein und zeigt, wie das aromatische Heißgetränk entsteht. Zunächst durchqueren wir die Plantagen und erfahren Wissenswertes rund um den Anbau der Kaffeepflanzen und die Voraussetzungen für gutes Gedeihen. Nachdem die Früchte per Hand geerntet, von ihrer harten Schale befreit und gespült wurden, können wir die Samen nun gemeinsam mit Mama Sophia weiterverarbeiten. Das Stampfen, Separieren, Rösten, Mahlen und Aufgießen ist ein langer Prozess, bis unsere Arbeit am Ende mit einer wohl duftenden Tasse Kaffee belohnt wird.

Fazit des Tages: tolles Erlebnis und authentischer Einblick in das Leben der Einheimischen, die hauptsächlich von der Landwirtschaft leben. Selbstgemachter Kaffee schmeckt sensationell!

Wächst am Fuße des Kilimanjaro Blumenkohl?

Ja, und nicht nur der: auch Brokkoli, Bohnen, Kartoffeln, Rhabarber, Erdbeeren, Papayas, Mangos, Feigen und vieles mehr. Wir besuchen die Simba Farm Lodge unterhalb des West-Kilimanjaro. Hier sehen wir nicht nur Traktoren und Mähdrescher, hören nicht nur Muh und Mäh, sondern spüren auch die Herzlichkeit der Gastgeber und schmecken die Liebe, mit der all die Lebensmittel zubereitet werden. Die „Farm to Table Experience“ hinterlässt nicht nur bei Kindern einen prägenden Eindruck. Ob Farmtour, River Walk, Radtour oder Sundowner – das Programm geht nach Wunsch. Der Blick vom Farmgelände auf den Mt. Meru, den Kilimanjaro und andere Bergriesen ist überwältigend! In kurzer Distanz liegt das Londorossi Gate, von wo aus eine komplette Kili-Besteigung oder Bergluft schnuppern im Rahmen einer Tagestour zum Shira Plateau möglich sind.

Fazit: Farmleben verschafft Glücksgefühle bei Groß und Klein, Dörflern und Großstädtern. Unbedingt ausprobieren!

Wie heißt eine Gazelle mit langem Hals?

Auf dem Weg zu unserer nächsten Unterkunft durchfahren wir das private Konzessionsgebiet Enduimet. Dieses Areal zwischen dem West-Kilimanjaro und dem Amboseli in Kenia ist einer der wichtigsten Wanderkorridore für Elefanten. Auch Zebras, Impalas, Strauße, Riesentrappen und Warzenschweine sind hier heimisch. Mit etwas Glück sehen wir Giraffengazellen, auch Gerenuks genannt. Diese schokobraunen Antilopen mit ihrem schlanken langen Hals und ihren neugierigen Segelohren sind unverwechselbar! Wenn der Hals nicht bis zu den saftigsten Blättern reicht, stellen sie sich zusätzlich auf die Hinterbeine und räkeln sich gen Akazie. Im nächsten Camp – Kambi Ya Tembo – angekommen, genießen wir 360 Grad Bergpanorama: Kilimanjaro, Mount Meru, Ol Doinyo Longido und Ol Doinyo Orok thronen über der Savanne. Als ob das nicht schon kitschig genug wäre, spannt sich über uns noch ein farbenfroher Regenbogen.

Fazit: Schönstes Panorama für einen Sundowner! Fußsafari und Nachtpirsch unbedingt ausprobieren! Bei Nacht mal auf die Veranda gehen und nach dem Kili Ausschau halten, denn bei klarer Sicht leuchtet der Gletscher unterm Sternenzelt. Kamera-Stativ nicht vergessen!

Wer sind die Little Five?

Vor uns liegt eine einzigartige Panorama-Tour durch offene Savanne, Grasland und Akazienwälder, aus denen Bergketten steil gen Himmel ragen. Ein paar Rundhütten liegen eingebettet in der scheinbar endlosen Steppe. Die Massai leben hier als Halbnomaden und ziehen mit ihren Viehherden durch die sonst menschenleere Gegend. Die Strecke vom Westkilimanjaro zum Natronsee ist ein Geheimtipp, denn hier hat man authentisches Buschfeeling fern von touristischen Hauptwegen. Zwar kann diese landschaftlich äußerst reizvolle Gegend nicht mit der Tierdichte in den meist besuchten Nationalparks mithalten, doch es gibt ja noch viel mehr zu sehen neben den begehrten Big-Five. Bei unserem Mittagspicknick im Schatten einer Schirmakazie halten wir Ausschau nach den kleinsten Fünf. Und siehe da: über uns formt ein Büffelweber kunstvoll sein Nest, während der Ameisenlöwe in seiner trichterförmigen Sandfalle auf seine Beute lauert. Findet ihr die anderen drei?

Warum werden einem Berg Ziegen geopfert?

Das Bild der Landschaft wird immer dramatischer. Eine Schotterpiste führt bis zum Horizont und am Ende steht er: der heilige Berg der Massai. Wie ein Gott thront der Ol Doinyo Lengai am Horizont und beschützt die Massai. Wir schauen ehrfürchtig zu dem hochaktiven Vulkan empor und verstehen, warum die Massai den Berg seit Jahrhunderten mit Opfergaben zu besänftigen versuchen. Im Jahr 2007 spuckte er das letzte Mal und verdunkelte die Savanne. Die 2.890 Meter zu erklimmen ist eine der größten bergsteigerischen Herausforderungen in Ostafrika. Inmitten der kargen Mondlandschaft taucht plötzlich ein weiß schimmernder See auf. Ist das eine Fata Morgana? Jetzt sehe ich vor lauter Hitze schon rosa Flamingos. Tatsächlich! Die Langstelzen finden am Natronsee ausreichend Nahrung. In dem salzhaltigen und alkalischen Gewässer leben Milliarden von Salinenkrebse, welche sowohl den Lake Natron als auch das Gefieder der Zwergflamingos in ein pastellfarbenes Pink tönen. Nach einer kurzen Erfrischung im Camp wollen wir die Schlucht des Ngare Sero Flusses, der seinen Ursprung im Ngorongoro Hochland hat, durchqueren.

Fazit: Die lange holprige Fahrt vom Gebiet West-Kilimanjaro bis zum Natronsee verspricht Abenteuer, Weite und Abgeschiedenheit! Hier erlebt man eine vom Vulkanismus geprägte Landschaft mit allen Sinnen! Die Wanderung durch die Schlucht ist ein tolles Erlebnis für jeden der gerne nass wird und gut zu Fuß ist.

Woher kommt der Name Serengeti?

Was ist eine Tansania-Reise ohne einen Abstecher in die weltberühmte Serengeti? Der Name entstammt dem Begriff „Siringitu“, was in der Sprache der Massai „die endlose Ebene“ bedeutet. Das „weite Land“ ist Schauplatz für die größte Tierwanderung der Welt. Auf unserer Erkundung durchfahren wir verschiedene Gebiete, um die Standorte für unser Serengeti View Camp zu besuchen, welches dreimal im Jahr mit der Migration wandert. Auf dem Weg besichtigen wir weitere Camps und Lodges, denn die Unterkünfte der Serengeti sind genauso vielfältig wie ihre Landschaftsformen. Besonders beeindruckend ist das Gebiet der Moru Kopjes. Riesige Steinkugeln liegen wie Inseln in einem Meer aus Gras und bieten Versteckmöglichkeiten für Raubkatzen, Klippschliefer und andere Tiere. Nashörner sind in der Serengeti selten geworden, doch in diesem Gebiet genießen sie besonderen Schutz dank eines Projektes und vermehren sich stetig. Auf unserem Weg von der südlichen Serengeti in den westlichen Korridor begegnen uns die großen Gnu- und Zebraherden. Was für ein grandioses Naturschauspiel!

Fazit: Die Serengeti ist mit einer der größten Artendichte weltweit immer für eine Überraschung gut! Hier haben wir beste Chancen auf die Sichtung von Raubkatzen! Mein Tipp: Kleine familiäre Tented Camps für ein authentisches Naturerlebnis und einen kleineren ökologischen Fußabdruck!

Was macht ein Elefant am Kraterrand?

Wir fahren weiter zum Ngoronogoro-Schutzgebiet. Vor einigen Millionen Jahren explodierte hier ein gewaltiger Vulkan, der dann in sich zusammenbrach. Die erdzerreißenden Kräfte formten eines der weltweit größten vulkanischen Becken. Die sogenannte Caldera umfasst eine Fläche von rund 250 Quadratkilometern und eine Tiefe von etwa 600 Metern. Der berühmte Ngorongoro-Krater ist wie eine Arche Noah oder wie Bernhard Grzimek zu sagen pflegte: der größte Zoo der Welt. Inmitten von Weideflächen, Sümpfen, Wäldern, Salzseen und Frischwasserquellen finden wir die höchste Tierdichte mit nahezu jeder Wildtierart Ostafrikas. Sogar die seltenen Spitzmaulnashörner sowie verschiedene Großkatzen sind im Krater anzutreffen. Die Chancen auf die„Big Five“stehen gut. Wir wollen heute nicht die klassische Safari im Kraterbecken unternehmen, sondern den Kraterrand zu Fuß erkunden. Der Wanderpfad wird nicht nur von Menschen begangen, denn wir treffen auf Elefanten-, Löwen- und Büffelspuren. Es ist unfassbar, dass sogar die schweren Dickhäuter die steilen Vulkanhänge bis auf 2.300 Meter Höhe empor stapfen.

Fazit: Der Ngorongoro-Krater als UNESCO Weltnaturerbe ist mein absoluter Lieblingsort in Tansania! Mein Tipp: Die Gibb´s Farm vereint Luxus, Farmstyle & Nachhaltigkeit. Hier ist nicht nur Platz für glückliche Schweine, Kühe und Hühner sowie für biologischen Gemüseanbau und Kaffeeplantagen. Urlauber die etwas Exklusives und Besonderes suchen, werden hier fündig!

Kann man im Lake Manyara Eier kochen?

Wir stecken uns das Tagesziel, den Lake-Manyara-Nationalpark einmal von Norden nach Süden zu durchqueren, um seine landschaftliche Vielfalt in kurzer Zeit zu erleben. Zunächst durchqueren wir einen dschungelartigen Waldstreifen, in dem uns riesige Pavianherden von über 100 Tieren und später auch Elefanten die Straße versperren. Zu unserer Linken leuchtet der Manyara See, während rechts die fast 600 Meter hohen Steilhänge des Großen Afrikanischen Grabenbruchs aufragen. Unser Geländewagen schlängelt sich über den schmalen Landstreifen zwischen See und Abbruchkante. Dieser ist Lebensraum für mehr als 400 Vogelarten und alle nur denkbaren Vegetationsformen. Wir machen Stopp an einer Quelle, aus der 60 Grad heißes Wasser sprudelt. Hier könnte man regelrecht Eier kochen. Und der Schwefel riecht auch so. Auf einem Besuchersteg laufen wir auf das Wasser hinaus und lauschen dem Grunzen der Hippos.

Fazit: Der Lake Manyara Nationalpark gehört zu den kleineren Nationalparks Tansanias, ist aber auf jeden Fall einen Besuch wert.

Warum sollte man auf Safari die Hosen in die Socken stecken?

Jeder, der mal eine Fußpirsch durch hohes Savannengras unternimmt und keine Krabbeltiere beherbergen möchte, sollte diesem Tipp folgen. In Begleitung eines Rangers erkunden wir heute den Tarangire-Nationalpark zu Fuß. Wir wandern vorbei an gigantischen Baobab-Bäumen, welche die Landschaft des Parks dominieren. Unterwegs lernen wir, wie man sich in der Wildnis ohne den Schutz des Geländewagens richtig verhält. Eine Walking Safari ist Adrenalin pur, denn man weiß nie was hinter dem nächsten Busch lauert. Doch solange wir den Anweisungen des Wildhüters folgen, kann uns nichts passieren. Am Ende sind wir sogar richtige Profis darin, uns lautlos an Warzenschweine anzuschleichen. Da fühlt man sich fast wie eine Raubkatze. Die echten Räuber treffen wir heute nicht, aber dafür Giraffen, Gazellen, Zebras, Strauße, Mangusten und andere Buschbewohner.

Fazit: Ob zu Fuß oder mit dem Fahrzeug, eine Safari im Tarangire ist unvergesslich! Entlang des gleichnamigen Flusses tummeln sich tausende Tiere. Besonders schön anzusehen sind die riesigen Elefantenherden inmitten der malerischen Affenbrotbäume.

Ihr möchtet mehr über die Naturschönheiten des nördlichen Tansanias lesen? Dann schaut in meinen letzten Reisebericht:

https://www.diamir.de/reisebericht/27-07-2016-tansania-lodgesafari-und-sansibar-10-tage-erkundungstour-im-tierparadies